Auf zu neuen Ufern

Zum Ende dieses Jahres schlagen wir ein neues Kapitel für unsere Kanzlei auf. Nach fast 20 Jahren in der Kronenburgallee zieht es uns wortwörtlich hin zu neuen Ufern. Im SEEyou am PHOENIX See werden wir vor Anker gehen. Bis dahin wird es noch eine sehr spannende Zeit, die wir Ihnen mit ein paar Fakten über unsere neue Heimat verkürzen möchten.

Ob die Namensgeber dereinst vielleicht schon eine kleine Vorahnung hatten? Wir werden es wahrscheinlich nicht erfahren. Was wir aber sagen können: Die Mythologie wurde von der Realität eingeholt. Unser lieb gewonnenes Naherholungsgebiet in Dortmund-Hörde ist tatsächlich wie Phoenix aus der Asche entstiegen – vor allem bildlich, aber auch ein bisschen wortwörtlich. Denn schließlich waren Asche und Schlacke 160 Jahre lang Nebenprodukte der Eisen- und Stahlerzeugung auf diesem Gebiet. Wenn man heute so auf das Wasser und die Gebäude sieht, kann man es fast nicht mehr glauben, dass hier vor gut 20 Jahren noch richtig malocht wurde. Als 1998 zunächst das Hochofenwerk PHOENIX West und drei Jahre später auch das Oxygenstahlwerk der ehemaligen Hermannshütte auf PHOENIX Ost stillgelegt wurden, gingen nicht allein 160 Jahre Industriegeschichte für den Dortmunder Stadtteil Hörde zu Ende, es fielen auch sage und schreibe 200 Hektar Industriefläche in unmittelbarem Umfeld des Stadtteilzentrums brach. Die Planungen für die perspektivische Folgenutzung des Areals begannen deshalb bereits vor der endgültigen Schließung. Im Jahr 2000 erarbeitete das Planungsamt der Stadt Dortmund ein Stadtentwicklungskonzept für die Fläche PHOENIX Ost. Damit wird in Dortmund das bisher radikalste Strukturwandelungskonzept zur Umnutzung eines ehemaligen Industriestandortes vollzogen.

PHOENIX ist ein Projekt der Stadt Dortmund in Zusammenarbeit mit NRW.URBAN, der PHOENIX See Entwicklungsgesellschaft (Tochtergesellschaft von DSW21) und der Emschergenossenschaft. Es wird sowohl durch das Land Nordrhein-Westfalen als auch durch die Europäische Union unterstützt, die das Großprojekt aus dem Strukturfonds fördert. Die Stadt Dortmund kaufte das Gelände von der Thyssen Krupp Stahl AG.

Mit dem auf 200 Hektar Entwicklungsfläche geschaffenen Raum für moderne Lebens- und Arbeitsformen ist der Innovationsstandort PHOENIX einer der größten Deutschlands. Die ehemalige Zweiteilung (Hochofen/Stahlwerk) wird beibehalten. Das West-Areal mit ca. 110 Hektar wird zum Standort für Unternehmen der Mikro-/Nanotechnologie, der Produktionstechnologie und der Informationstechnologie, zugleich auch Dienstleistungen und Freizeitwirtschaft.

Ideenpreis

Mythologische Vergleiche bieten sich auch bei den Bauarbeiten zum Prestigeobjekt unserer Stadt an. Diese darf man ohne rot zu werden durchaus als Sisyphusarbeit betiteln. 2005 begannen die Aushubarbeiten für den See. In den folgenden vier Jahren gab es über 2,5 Millionen Kubikmeter Bodenbewegung und 420.000 Kubikmeter rückgebauten Stahlbeton auf dem Gelände. Dafür waren teilweise über 100 Großgeräte gleichzeitig im Einsatz. Zeitweise war die Baustelle die größte in Europa.

Kurz nach der Fertigstellung des Seeaushubs 2009 folgte die Freilegung der Emscher. Sie fließt nun in einer ca. 50 Meter breiten Aue wieder an der Oberfläche, im Norden entlang des Sees. Am 01.10.2010 fand schließlich der offizielle Termin der Seespeisung statt. Zum PHOENIX See-Fest kamen über 55.000 Besucher. Im Frühjahr 2011 wurde der See nach gerade einmal sechs Jahren schließlich fertiggestellt. Es ist natürlich reiner Zufall und dennoch freuen wir uns, dass unser Umzug mit dem zehnjährigen Geburtstag des Sees zusammenfällt.

Für die Durchführung eines der größten Stadtentwicklungsprojekte Deutschlands erhielt die PHOENIX See Entwicklungsgesellschaft mbH im Jahr 2013 folgerichtig den Ideenpreis des Marketing Club (MC) Dortmund. Der damalige MC-Präsident Horst Müller lobte den See als neues Wahrzeichen und hervorragenden Beitrag zum Stadtmarketing. Mit ihm sei aus Dortmund eine „Stadt am See“ geworden. „Das ist neu, das ist innovativ“, so Müller. Bei dem einen Preis blieb es für dieses Jahrhundertprojekt natürlich nicht. Der See gewann auch den Gewässerentwicklungs- sowie den Deutschen Städtebaupreis.

Heute ist er der Mittelpunkt der insgesamt 96 Hektar großen Fläche von ehemals PHOENIX Ost. Mit einer Wasserfläche von 24 Hektar (= 34 Fußballfelder) ist er größer als die Hamburger Binnenalster. Ein Rundgang um den See beinhaltet eine Strecke von 3,2 Kilometern (getrenntes 2-Wege-System für Fußgänger und Radfahrer). Der See selbst ist 1,2 Kilometer lang in Ost-West-Richtung und 320 Meter breit in Nord-Süd-Richtung. Er besitzt eine Tiefe von drei bis vier Metern und fasst rund 700.000 Kubikmeter Wasser. Dabei wird er primär mit Grundwasser gespeist. Daneben hat er eine Funktion als Wasserrückhaltebecken für die Emscher. Das heißt im Falle von Hochwasser gelangt ein Teil des Emscherwassers in den See und wird dort zwischengespeichert. Der See gilt planungsrechtlich übrigens als Talsperre.

Seit April 2012 ist Wassersport auf dem See auch erlaubt. Noch im gleichen Jahr fand die erste Segelregatta statt. Zulässig sind: Segelboote bis zu 20 Quadratmetern Segelfläche und einer Messzahl bis 14 Quadratmetern. Für alle Bootsklassen, also auch Ruder-, Paddel- und Tretboote, gilt eine grundsätzliche Bootslängenbegrenzung auf 6,70 Metern sowie ein maximaler Tiefgang von 1,40 Metern. Schlauchboote, Modellrennboote und Boote mit Verbrennungsmotor dürfen nicht auf das Wasser.

Gebirgswasserqualität

Von Seiten der Stadt Dortmund heißt es, der PHOENIX See hätte „Gebirgswasserqualität“. Das mag zwar leicht übertrieben sein, aber sauber ist das Wasser allemal. Dafür sorgt auch eine Anlage, die es in dieser Dimension in Deutschland nur einmal gibt: Die sogenannte „Phosphat Eliminationsanlage“. Sie filtert, wie der Name schon sagt, Phosphat aus dem Wasser, kann innerhalb von einem Jahr das komplette Wasser des Sees (600.000.000 Liter) säubern. Phosphat kann unter anderem durch Dünge- oder Waschmittel ins Wasser gelangen. Hoher Phosphorgehalt sorgt dafür, dass viele Algen wachsen. Beim Abbau der abgestorbenen Algen wird sehr viel Sauerstoff verbraucht, sodass dadurch viele Wasserlebewesen sterben.

2014 lobte der Naturschutzbund Deutschland (NABU) den PHOENIX See als Wasserfläche Dortmunds mit der größten Artenvielfalt an Wasservögeln – 46 Vogelarten an der Zahl. Dazu gehören: Reiher, Möwen, Enten, Blässhühner, Haubentaucher, Flussregenpfeiffer und auch der Eisvogel. Weniger beliebte allerdings auch: Zum Beispiel die Kanadagänse, die von Stadt und Bürgern kritisch beäugt werden.

Ab März 2010 stand der erste Vermarktungsabschnitt mit Grundstücken für eine hochwertige Wohnbebauung zum Verkauf. Das umfasste ungefähr 200 Grundstücke. Im Mai 2011 begann am „Südhang im Norden des Sees“ der Bau von freistehenden Einfamilienhäusern, Doppelhaushälften und Mehrfamilienhäusern in Form von Stadtvillen und Terrassenhäusern. Der eigentlich für Januar 2013 geplante Vermarktungsbeginn der Grundstücke am „Südufer“ verzögerte sich zunächst aufgrund des noch bestehenden Beratungsbedarfs der Bezirksvertretung Hörde zur Bebauung des Teilbereichs C. Bereits im Vorfeld veranstaltete die PHOENIX See Entwicklungsgesellschaft eine Architektenmesse. Mehr als 60 Architekturbüros reichten hierfür über 90 Entwürfe ein. Unter den Teilnehmern waren 20 Dortmunder Büros. Die verbleibenden waren überwiegend aus NRW, aber es waren auch Entwürfe von Architekturbüros aus anderen Regionen (Berlin, Hamburg, München, Stuttgart) und sogar aus dem Ausland (Barcelona, London und Chur in der Schweiz) dabei.

Im Laufe der letzten zehn Jahre wurden ca. 2050 Wohnungen gebaut, es siedelten sich etwa 200 Firmen an und ungefähr 2000 Arbeitsplätze wurden geschaffen.

Zum Schutz des Gewässers gibt es laut Seesatzung eine Menge Verbote. Vieles ist am See nicht erlaubt: Campen / Übernachten (außer mit Sondergenehmigung); Schieß-, Wurf- und Schleudergeräte benutzen; aggressives Betteln, ständige „ortsfeste“ Ansammlungen von Personen, von denen regelmäßige Störungen ausgehen bei übermäßigem Alkoholgenuss; Blumen, Zweige und Früchte abbrechen; sich dort (im „Erholungsgebiet“) berauscht durch Alkohol oder andere Drogen aufzuhalten; Boote nutzen, die länger als 6,40 Meter sind; nach Sonnenuntergang Boot fahren; auf Booten übernachten; Baden, Surfen und Tauchen; Fischen; Grillen. Die Liste ließe sich fortsetzen. Die Liste der Verstöße wahrscheinlich aber leider auch.

Trotz all dieser Errungenschaften – der PHOENIX See spaltet bis heute in Dortmund die Gemüter: Die einen finden ihn potthässlich und künstlich, die anderen freuen sich über die neu geschaffene Wasserfläche mitten in der Stadt. Es wird Sie höchstwahrscheinlich nicht verwundern, dass wir zur zweiten Kategorie zählen.